57 Jahre Beatles in Hamburg

Beatles-Platz
(Download durch Klick aufs Bild / Beatles-Platz / Martin Brinckmann)

John Lennons Zitat "I grew up in Liverpool but I came of age in Hamburg” fasst die Geschichte der Beatles in Hamburg prägnant zusammen. Mit Unterbrechungen verbrachten die zu diesem Zeitpunkt noch minderjährigen Beatles zwei Jahre in der Hansestadt - und legten damit den Grundstein für ihren späteren Welterfolg. Vor 55 Jahren standen sie zum ersten Mal auf einer Hamburger Bühne. 

Es begann alles mit einem Schock. Als die Beatles am 17. August 1960 ihr erstes Engagement in Hamburg antraten, galt die Reeperbahn als perfekter Ort, um mit Musik gutes Geld zu verdienen. Wo heute zahllose innovative Musik-Clubs die neon-leuchtende Meile säumen, gierte das Publikum bereits damals nach aufregender Musik. Hamburg, dieser Tage Live-Musik-Hauptstadt Nordeuropas, entwickelte sich gerade zum deutschen Hotspot der internationalen Musikszene. So betraten die Beatles das Indra in der Großen Freiheit 64 – und waren geschockt. Während sich die Hamburger Reeperbahn in den letzten 20 Jahren zum Entertainment-Boulevard wandelte, der spannende Live-Musik, amüsantes Theater, große Musicals, gute Restaurants und jede Menge Subkultur bietet, bestand ihr Angebot in den Sechzigern überwiegend aus käuflichem Sex und Seemannskneipen.

Die Beatles erwartete kein cooler Musik-Club, sondern ein Strip-Lokal. Ihr Publikum bestand nicht aus hippen Nachtschwärmern, sondern aus Prostituierten und deren Kunden. Eine Welt brach zusammen – eine Weltkarriere begann.

Der Hamburger Sound der Beatles

Die folgenden zweieinhalb Jahre legten den Grundstein zu dem, was diese Band einmal werden sollte: die Blaupause des Pop. Die gnadenlosen Arbeitsbedingungen auf der Reeperbahn trugen maßgeblich bei zur Entstehung des „Hamburg Sound“. Wie alle anderen Bands, die auf der Reeperbahn schufteten, zwangen sie auch die Beatles zu permanentem künstlerischem Wachstum. Und die täglich wiederholte Aufforderung von Bruno Koschmider, dem Betreiber des Indras: „Macht Schau, Engländer!“ befeuerte sie zu wilden Show-Einlagen.

Ihr strenger Chef hatte sie gleich um die Ecke vom Indra in seinem Bambi-Kino untergebracht. In zwei winzigen, fensterlosen Räumen ohne Heizung und Dusche. Heute erinnert ein Schild am Haus in der Paul-Roosen-Str. 33 daran – und der Zusammenschluss von Musikern der hoch geschätzten Bands Maplewood, Nada Surf, Moby und Cat Power. Sie sind es, die am 17. August unter dem Namen Bambi Kino im Indra die frühesten aller Beatles-Songs erneut auf die Bühne bringen.

Nach sieben Wochen im Indra verpflanzte Bruno Koschmider die Beatles in den Kaiserkeller. Heute wird der Club als Diskothek genutzt, während die darüber liegende Große Freiheit 36 eine der Hauptbühnen des seit 2006 stattfindenden Reeperbahn Festivals ist. Rund 170 internationale Newcomer holt Deutschlands größtes Club-Festival alljährlich in „Germany‘s most creative neighbourhood“ – drei aufregende Nächte voll spannender Musik.

Der Ursprung der Pilzkopf-Frisur

Die boten die Beatles damals auch, so dass der Grafiker und Musiker Klaus Voormann spontan begeistert war. Er schleppte seine Freunde Astrid Kirchherr und Jürgen Vollmer in den Kaiserkeller. Sie schlossen Freundschaft mit den Beatles, schnitten ihnen die später als „Pilzkopf“ berühmt gewordene Frisur und schossen erste professionelle Bilder von ihnen. Darunter Klassiker wie die Beatles beim Dom auf dem Heiligengeistfeld oder John Lennon im Eingang des Hauses Jägerpassage 1, das 1975 zum Cover des Lennon-Albums „Rock‘n‘Roll“ wurde.

Die Jägerpassage gehört heute zu den schönsten Zielen etlicher Beatles-Führungen der Musikerin Stefanie Hempel. So erzählt zum Beispiel die Musikerin Stefanie Hempel nicht nur etliche Anekdoten aus jener Zeit, sondern schmettert, begleitet von ihrer kleinen Ukulele, auch live die passenden Beatles-Songs dazu.

Die verhalfen Anfang der Sechziger zwei weiteren Hamburger Institutionen zum Erfolg. 1961 bestritten sie im Top Ten das längste Gastspiel ihrer Karriere. Dort, wo heute das Moondoo mit Black Music und House Tracks lockt, ritten vorher im Hippodrom nackte Damen durch die Manege und catchten im Schlamm.

Geboren in Liverpool, aufgewachsen in Hamburg

1962 eröffnete der legendäre Star-Club in der Großen Freiheit 39. Er präsentierte alles, was international Rang und Namen hatte - oder kurz darauf erwarb. Eine Rolle, die heute hervorragend vom äußerst kreativen Molotow am Spielbudenplatz 5 ausgefüllt wird.

Unerbittlich warb der Star-Club sämtliche Attraktionen des Top Ten ab, darunter auch die Beatles. Die schossen bald darauf mit ihrer ersten Single „Love Me Do“ auf Platz 17 der britischen Charts.

Damals hat Hamburg die Beatles zu Stars gemacht und lädt heute ein, dieses großartige Erbe neu zu entdecken. Die Beatles selbst wurden ohnehin nicht müde, die Bedeutung ihrer Lehrjahre in der heutigen Musikmetropole zu unterstreichen. Nicht umsonst bekannte John Lennon einmal: „Ich bin zwar in Liverpool geboren, doch erwachsen wurde ich in Hamburg.“

Externe Links zu Beatles Themen

Buchtipp: Das Kompendium Beatles in Hamburg  

Die Beatles in Hamburg als Graphic Novel: Babys in Black  

Backbeat: Die Beatles in Hamburg