Hamburg, der neue Startup-Knotenpunkt in Deutschland

(Betahaus / Patrick Lux)

Zwischen Hafen und Traditionsunternehmen: In Hamburg wächst ein spannendes Startup-Ökosystem. Gründungen aus der norddeutschen Metropole brechen Weltrekorde und sammeln beachtliche internationale Investments ein – ein Einblick.

Der Co-Working-Space Betahaus im Hamburger Schanzenviertel ist einer der wichtigsten Treffpunkte für die wachsende Startup-Szene in der Hansestadt. Hier entwickelt sich gerade ein spannendes Ökosystem für Startups: Das Betahaus ist nur einer mehrerer Co-Working-Spaces, die auf Kollaboration unter Selbständigen und eine kreative Arbeitsatmosphäre für gedeihende Startups setzen. Eine wachsende Anzahl von Pitch-Events bietet Gründern Feedback, Aufmerksamkeit und Preise, zum Beispiel der Betapitch im Betahaus oder Startups@Reeperbahn während Europas größtem Musik- und Digitalevent Reeperbahn Festival. 2015 gesellen sich mit der Gründerwerft und dem Next Media Accelerator neue Förderprogramme zu den bewährten Angeboten von Anbietern wie Hanse Ventures.

Kreative Ideenschmiede

Rund 300 aktive Startups gibt es Schätzungen zufolge derzeit in Hamburg, mehr als 400 haben sich bereits in den lokalen Hamburg Startups Monitor eingetragen. Hamburg ist die einzige Stadt Deutschlands, die in einem eigenen Monitor zusammenträgt, wie die Startup-Szene sich zusammensetzt. Und die private Initiative dafür kam direkt aus der Szene selbst, von zwei Gründern, die sich unter dem Namen Hamburg Startups für den Standort stark machen. Mit dem Startup Monitor bilden sie eine bis dahin kaum erfasste Landschaft ab und schaffen damit zum Beispiel die Grundlage für die Stadt, „zu prüfen, ob Startup-Förderungen an der richtigen Stelle angesetzt wurden“, so Geschäftsführerin Sina Gritzuhn.

Ein kleiner Eindruck, wie die Hamburger Startups-Szene von sich reden macht: Als eines der innovativsten Startups überhaupt gilt Tinnitracks von Sonormed. Die Healthcare-Applikation behandelt Tinnitus mit der eignen Musik des Patienten. Im März 2015 gewann Tinnitracks den offiziellen SXSW Accelerator, einen der wichtigsten Gründerpreise weltweit. Auch in Sachen Investments spielen Hamburger Startups in der obersten Liga: Der Marketing-Spezialist Facelift erhielt 2014 15 Millionen US-Dollar aus London, das bis dato größte Wachstums-Investment in dem Unternehmenssegment in Europa. Und das FinTech-Startup Kreditech hat ein US-Investment in Höhe von 200 Millionen Dollar erhalten – mehr als je zuvor außerhalb der USA in die Branche der digitalen Finanzdienstleistungen geflossen ist.

(Download durch Klick aufs Bild / Betahaus / Christian O. Bruch)

Hamburg ist längst mehr als einer der modernsten und größten Containerhäfen Europas und Gründungsstandort einiger der bedeutendsten deutschen Medienhäuser. Hamburg ist die zweitgrößte Stadt Deutschlands und damit allein in B2C-Hinsicht spannend. B2B-Unternehmen fühlen sich wohl in der Stadt, in der alleine zehn der 100 umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands sitzen. Das Potential des seit Jahrhunderten durch den internationalen Handel geprägten Standorts haben auch die US-Digitalriesen erkannt: Facebook, Twitter und Google haben in Hamburg Deutschlandzentralen.

Eine wachsende Zahl dieser großen Konzerne machen Hamburg gleichermaßen zum europäischen Startup-Förderer: Die Otto Group zum Beispiel, Europas größter Onlinehändler für Fashion und Lifestyle, hat bereits einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag in Beteiligungen in zehn Ländern investiert.

 

Vernetzung und Wissensaustausch als Wachstumsfaktor

Auch die heutigen Marktführer für Online-Games wie Goodgames oder Bigpoint haben vor einigen Jahren als kleine Startups angefangen. Allein die fünf größten Studios beschäftigen mittlerweile rund 2.300 Menschen. Nicht zuletzt sind aus Hamburger Startups erfolgreiche „Grownups“ erwachsen: etwa aus dem Online-Business-Network Xing, das schon früh profitabel war und heute über 15 Millionen Mitglieder verzeichnet; dem Website-Baukasten Jimdo, der inzwischen zu den erfolgreichsten der Welt gehört; oder aus MyTaxi, die mit ihrer App lange vor Uber den Taximarkt revolutionierten und in das Daimler mehrere Millionen investierte.

Es lohnt sich, den Finger rechtzeitig an den Puls zu legen – das erkennen auch immer mehr traditionelle Unternehmen. Konzerne wie Gruner+Jahr, die Deutsche Presse Agentur dpa oder die Otto Group schicken aus ihren Zentralen Mitarbeiter ins Betahaus, um näher an der Startup-Szene zu sein.

Und sie sind hier goldrichtig, denn die Startup-Szene schätzt die offene Community des Co-Working-Spaces und wählt den Co-Working Space gerne als Ort für Veranstaltungen. Richtig voll wird es im Betahaus regelmäßig: zum Beispiel, wenn die private Initiative Hamburg Startups zum „Mixer“ lädt und ihrem Ziel der besseren Vernetzung und Sichtbarkeit folgend oft hunderte lokale Gründer, Business Angels und Startup-Sympathisanten zusammenbringt. Hier zeigt sich nicht nur die Größe der Hamburger Szene, sondern auch ihr größtes Kapital: Gegenseitige Unterstützung, Wissensaustausch und Loyalität.

Nicht selten werden Hamburger Startups hochgezogen von Persönlichkeiten die vorher in einem Großunternehmen Erfahrungen gesammelt haben. Wer hier gründet, verfügt häufig bereits über ein umfangreiches Netzwerk – das soziale Kapital ist ein unschlagbarer Standortvorteil. Dass Hamburg jedoch auch Talente anzieht und für Startups attraktiver wird, dafür spricht zum Beispiel die Gründungsgeschichte von TripRebel: Hinter dem innovativen Reise-Startup steckt ein sehr internationales, aus einem niederländischen Accelerator kommendes Team, das sich bewusst für Hamburg entschieden hat. „Für uns war der Zugang zum deutschen Reisemarkt – dem zweitgrößten der Welt – zwingend erforderlich“, sagt TripRebel-Gründer Carlos Borges Guimaraes Filho. „Wir haben Hamburg wegen der Lebensqualität, der lebendigen Medienszene und der kleineren, aber zuverlässigen Startup-Umgebung gewählt.“

StartHub als Anlaufstelle für Gründer

Borges wollte das gedeihende Hamburger Startup-Ökosystem mit prägen – und kam zu einem spannenden Zeitpunkt. Denn die Dynamik in der Hamburger Startup-Szene hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Das liegt an einer Förderung die vor allem darauf zielt, das so wichtige Ökosystem für Gründer weiter zu vitalisieren. Neben verschiedenen Netzwerken und Institutionen setzt die Stadt selbst mit dem nextMedia StartHub auf die Innovations- und Wirtschaftskraft von Startups und positioniert sich als Scout und Hilfesteller für Startups.

Weitere Informationen:

http://www.hamburg-startups.net/