Spitzenforschung und Innovationskraft: Wie Hamburg in Bahrenfeld die Zukunft baut

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Ob mit riesigen Teilchenbeschleunigern oder hochpräzisen Messgeräten – bei der Erforschung mikroskopischer Welten gehört das Deutsche Elektronen-Synchroton (DESY) in Hamburg-Bahrenfeld zur internationalen Spitze. An dem renommierten Institut der Helmholtz-Gemeinschaft gehen ganze 2.700 Mitarbeiter und rund 3.000 Gastwissenschaftler ihrer Arbeit nach und liefern Grundlagenforschung für den Innovationsstandort Bahrenfeld, an dem sich ein ganzes Ökosystem von Hightech-Unternehmen, Start-ups und Hochschul-Ausgründungen angesiedelt hat. Das Innovationscluster soll zum Nukleus für technologische Anwendungen in den Bereichen Life Science und innovative Werkstoffe werden. Ein Leuchtturmprojekt aus „Grundlagenforschung, Industrie und Wirtschaft, das in Deutschland einzigartig ist“, sagt Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher.

Vom Teilchen- zum Innovationsbeschleuniger

Bereits seit 1959 forscht das DESY in Bahrenfeld. Damals bauten die Stadt Hamburg und der Bund für knapp 100 Millionen D-Mark den ersten Teilchenbeschleuniger auf einem ehemaligen Militärflughafen. Seitdem sind viele weitere Großgeräte am Standort entstanden, darunter zwei Großbeschleuniger, mehrere Supermikroskope und der weltbeste Speicherring für die Erzeugung von Röntgenstrahlung. Mit ihm können die Forscher molekulare Strukturen und winzigste Teilchen präzise darstellen - eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung neuartiger Nanowerkstoffe und Medikamente.

Das Gebiet rund um das DESY verändert sich fortwährend – und das rasant. Ein neues Zentrum des Bahrenfelder Ökosystems soll die Innovation Factory werden, eine Technologie- und Gründerfabrik, die von 2023 an auf einer Fläche von rund 11.000 qm gebaut wird. Ob mit Werkstätten, Laboren, Büros oder Kooperationsprojekten – Unternehmer finden in der Factory künftig einen „Marktplatz für neue, innovative Lösungen, Produkte und High-Tech Dienstleistungen“, der den „Innovations- und Hightech-Standort Deutschland“ stärke, sagt Arik Willner, Physiker und Projektleiter am DESY.

Das Areal der Innovation Factory verteilt sich auf zwei Standorte, die in unmittelbarer Nähe zum DESY-Gelände und zum Forschungs- und Innovationspark Altona liegen. Die Kosten des Bauprojekts betragen mehr als 105 Millionen Euro, wobei 90 Prozent vom Bund und der Rest von der Stadt Hamburg bezahlt werden. Eine lohnende Investition, die „zum Wegbereiter für die gesamte Wertschöpfungskette aus dem wissenschaftlichen in den wirtschaftlichen Bereich werden könne“, wie Hamburgs Wirtschaftssenator Michael Westhagemann sagt. Der Bezug des neuen Areals ist für 2025 geplant.

Ziel der Factory ist es, technologischen Anwendungen aus dem Bereich der Life Sciences den Weg zu ebnen. Ein Forschungsfeld des DESY, das in den vergangenen Jahren stark ausgebaut wurde und mittlerweile die Mehrheit aller Experimente am Teilchenbeschleuniger PETRA III ausmacht. Die 2,3 Kilometer lange „Kollisionsmaschine“ ist für ihren weltweit einmaligen Röntgenstrahler bekannt, der über eine der hellsten Lichtquellen der Welt verfügt und Forschern die Untersuchung winziger Eiweiß-Kristalle und Nanomaterialien ermöglicht. Das Großgerät soll unter anderem bei der Entwicklung medizinischer Bildgebungsverfahren und innovativer Materialien für eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise helfen. Zwei Bereiche, die laut Bundesministerin Anja Karliczek von „zentraler Bedeutung für die Zukunft des Industriestandorts und unserer Gesellschaft sind“. Als Leiterin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung sieht sie hier einen „riesengroßen“ Bedarf.

Wissenschaft, Wirtschaft, Wohnen - die Science City Bahrenfeld

Neben der Innovation Factory umfasst der Forschungsstandort Bahrenfeld noch zahlreiche weitere Leuchttürme, wie das Innovationszentrum „Start-up Labs“ und die Science City. Das Start-up Labs ist ein Gemeinschaftsprojekt der Universität, der Stadt und des DESY und soll zum Aushängeschild in Sachen Hochtechnologie werden. Nach seiner Fertigstellung in diesem Sommer bietet es Existenzgründern und Start-ups eine vielfältige Infrastruktur mit Laser- und Röntgenlaboren, Elektronikwerkstätten, Büros und Gastronomie. Die Baukosten von rund 17,5 Mio. Euro trägt zum größten Teil die Stadt Hamburg. 3,3 Mio. Euro übernimmt das DESY. Laut Projektleiter Arik Willner ist das Innovationszentrum schon jetzt vollständig ausgebucht.

Die Science City ist für die kommenden Jahrzehnte eines der anspruchsvollsten Zukunftsvorhaben Hamburgs. Sie integriert Wissenschaft, Forschung und Lehre, Wirtschaft sowie Stadtentwicklung, u.a. indem vorhandene und neue Wissenschaftseinrichtungen, gewerbliche Vorhaben sowie Stadtentwicklung verknüpft werden mit einem wohngeprägten, urbanen Stadtteil. Es entstehen circa 2.500 neue Wohnungen, Kultur- und Sportmöglichkeiten sowie soziale Einrichtungen. Zusätzlich zum DESY sollen künftig mehr als 5.000 Studierende der Universität Hamburg in den Bereichen Chemie, Physik und Biologie hier forschen, arbeiten und leben. Vorgesehen sind renommierte Institute und exzellente Studier- und Lehrbedingungen. Ein weiterer elementarer Baustein ist der Innovationspark Altona. Hier erfolgt der direkte Schulterschlussvon Wissenschaft und Wirtschaft. Nicht nur räumlich (über den Gesamtraum Science City Hamburg Bahrenfeld) an DESY und Uni angedockt, sollen Start-ups gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an neuen Technologien arbeiten und Innovationen vorantreiben. Das TechHHub wird an diesem Ort der erste sichtbare Schritt sein.