Hamburg - Die grüne Metropole

Freizeit Elbstrand
(Download durch Klick aufs Bild / Elbstrand / Ottmar Heinze)

Wer im Süden von Hamburg spazieren geht, kann mit viel Glück schillernd schwarze Vogel mit langen Hälsen und orangenen Hakenschnäbeln beobachten – Kormorane! Der normalerweise am Meer lebende Vogel findet in den feuchten Niederungen des Harburger Stadtparks ein ebenbürtiges Habitat – und das nur 30 Minuten vom Hauptbahnhof entfernt.

Greifvögel wie Habicht und Bussard oder der seltene kobaltblauen Eisvogel – sie alle sind ebenfalls Bewohner der Harburger Stadtparks. Dieser wurde in den letzten Jahren renaturalisiert und ist seitdem ein ideales Jagdgebiet – und für Besucher eines der spannendsten Hamburger Vogelschutzgebiete.

Trotz Industriehafen und 1,8 Millionen Einwohnern ist Hamburg eine der grünsten Großstädte Europas: Fast ein Fünftel der Flächen sind von Wiesen, Wäldern, Parkanlagen und Wasser bedeckt – davon steht etwa die Hälfte unter Naturschutz. Auf die Landesfläche übertragen hat der Stadtstaat damit deutschlandweit den größten Anteil an Naturschutzflächen.

Die Stadt aus der Vogelperspektive

Für die Hamburger bedeutet die Naturnähe einen Zugewinn an Lebensqualität: Immer wieder unterbrechen Parks mit kleinen Wäldern und Seen urbane Viertel, stattliche Bäume säumen breite Straßen. Zahlreiche Kanäle schlängeln sich durch die Stadt, an ihrem Ufer wuchert die Natur. Vom Hauptbahnhof ist es nicht weit zu den üppigen Grünflächen rund um die Außenalster. Nur wenige Kilometer den Hamburger Hafen elbaufwärts münden am Falkensteiner Ufer bewaldete Steilhänge in feine Natursandstrände.

Naturschutzgebiete und Parkflächen sind Verdienst einer langen Grünflächenstrategie, die auf das Jahr 1914 zurückgeht. In 100 Jahren Hamburger Parkgeschichte – letztes Jahr wurde der runde Geburtstag gefeiert – wurden die Grünflächen durch das Gartenbauamt mehr als verzehnfacht, von 200 auf 3000 Hektar. Visionär war von Anfang an die naturnahe Gestaltung der Areale, wie die beiden größten Parks der Hansestadt - der Altonaer Volkspark und der Winterhuder Stadtpark - zeigen. Der Ohlsdorfer Friedhof, letzte Ruhestätte vieler berühmter Persönlichkeiten, gilt als größter Parkfriedhof der Welt, mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Heute knüpft Hamburg an diese Vorreiterrolle in der nachhaltigen Stadtentwicklung mit zeitgemäßen Konzepten an. Im Jahr 2011 brachte das der Millionenstadt an der Elbe den Titel „Umwelthauptstadt Europas“ ein. Hamburg arbeitet an dem ambitionierten Ziel, den CO2-Ausstoß bis 2050 um mindestens 80 Prozent zu vermindern. Dabei setzt die Stadt unter anderem auf ressourcensparendes Wachstum nach Innen, in dem Brachen und Industrieflächen wieder für die Bürger zurückgewonnen werden: Im Fall der HafenCity Hamburg, dem größten innerstädtischen Bauprojekt Europas, erschließt die Stadt mitten in der Innenstadt auf 157 Hektar ehemalige Hafenanlagen für den Städtebau – bis 2015 werden hier Wohnungen für 12.000 und Büros für insgesamt 45.000 Menschen gebaut werden. Zahlreiche Gebäude tragen Preise für nachhaltige Architektur.

(Download durch Klick auf Bildes / HafenCity / Thomas Hampel)

Ein weiteres Großprojekt ist der klimaneutrale Um- und Neubau des Stadtteils Wilhelmsburg im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2013. Im Zuge der Internationalen Gartenschau (igs) wurde dort beispielsweise der Wilhelmsburger Inselpark aufgebaut, mit Liegewiesen und Grillecken, Spiel- und Sportflächen, Kanukanal und Hochseilgarten. Er verbindet Hamburgs Grünanlagen nördlich und südlich der Elbe und ist mit 100 Hektar einer der größten Parks, der in den letzten Jahren in Deutschland angelegt wurde.    

Grüne Bürgervisionen

Aber nicht nur die Stadt plant und verwirklicht grüne Projekte, sondern auch ihre Bürger. Der Park Fiction im Stadtteil St. Pauli ist Sinnbild für Visionen, die Wirklichkeit wurden. Statt eines Wohn- und Geschäftshauses auf einem Filetgrundstück am Elbufer erstritten Künstler einen sozialen, unter Beteiligung der Stadtteilbewohner geplanten Garten: den Park Fiction – ein bei den Anwohnern aller Generationen sehr beliebter Park mit Liegeflächen, Buddelkisten, Hundespielwiese und beindruckendem Hafenpanorama.

Neuerdings pflegen besonders die politisch aktiven Bürger der Stadtviertel Altona und St. Pauli das Urban Gardening. Im Gartendeck, auf dem Dach einer alten Tiefgarage Nahe der Reeperbahn bauen Anwohner in Kübeln Kräuter, Salat und Gemüse an. Die Initiative KEBAP (KulturEnergieBunkerAltona) pflanzte Beete rund um einen alten Hochbunker Nahe der Großen Bergstraße. Das Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg soll ein Heizkraftwerk und Künstlerräume beherbergen, wenn es nach den Wünschen der Anwohner geht. Die Stadt bezuschusst solche Modelle, wenn sie ein eindeutiges Bürgerinteresse erkennt.

Grüne Dächer für ein gesundes Stadtklima

Vielleicht bekommt Hamburg bald ein weiteres grünes, sehr spektakuläres Projekt: Der Hilldegarden soll den grauen Hochbunker auf dem Heiligengeistfeld in St. Pauli begrünen. Das aus dem zweiten Weltkrieg stammende Gebäude wird längst von Clubs wie dem „Uebel und Gefährlich“ und dem Radiosender Byte.fm genutzt. Mit „Hilldegarden“ bekäme der Bunker auf sein Dach einen mehrstöckigen, pyramidenförmigen Park gesetzt, der im Inneren außerdem einen großen Kultursaal und ein Künstlerhotel beherbergen soll. Noch steht das futuristische Projekt ganz am Anfang. Doch die Vision könnte tatsächlich Wirklichkeit werden, überschneidet sich dieser Ansatz doch stark mit den Interessen der Stadt: Die hat die Dachbegrünung von Neu- und schon bestehender Flachbauten beschlossen. Damit wird das Stadtklima verbessert und die Anwohner bekommen noch mehr Erholungsflächen. Hamburgs zukünftiges Gesicht aus der Vogelperspektive wird also noch grüner werden.