Leben in Hamburgs Stadtteilen

(Stadtleben / Dejan Davitkov)

Mondän oder alternativ, international oder beschaulich, ehrlich bodenständig, maritim oder rockig? In Hamburg muss sich niemand für nur einen Lebensstil entscheiden. Von pulsierender Urbanität bis hin zum ländlichen Idyll ist in den insgesamt 103 Stadtteilen der Hansestadt jede Atmosphäre zu finden, die man von einer lebendigen, modernen Metropole erwartet.

Mit über 1,7 Millionen Einwohnern ist Hamburg nach Berlin die zweitgrößte Stadt Deutschlands. Mehr als 30 Prozent der Hamburger haben einen so genannten Migrationshintergrund. Die kulturelle Vielfalt der Hansestadt hat Tradition, denn über den Hafen kamen von jeher Einwanderer aus aller Welt in die Stadt. Je nachdem, wo sie sich niederlassen, bestimmen sie den kulturellen Alltag des Stadtviertels mit.

Hamburg ist geprägt durch die Flüsse Alster und Elbe – eine Reise entlang ihrer Ufer offenbart die kontrastreichen Facetten der Stadt. Die Elbe durchzieht die Stadt von Osten nach Westen, lässt dabei Industrie- und Gewerbe-Areale sowie Wohnsiedlungen hinter sich, trifft im Zentrum auf Hafenatmosphäre, moderne Architektur, Kiez und Kultur, um anschließend von Deichen und Stränden, Parks und Obstplantagen begleitet gen Nordseemündung weiter zu fließen. Dagegen fließt die Alster vom Norden Hamburgs durch das beschauliche Poppenbüttel in Richtung Süden, vorbei an unprätentiösen und ruhigen Wohnvierteln wie Lokstedt und Alsterdorf, später an gehobenen Gegenden wie EppendorfRotherbaum und Harvestehude, um schließlich mitten in der prunkvollen City in die Elbe zu münden.

Sozial gesehen ist die Hansestadt Hamburg mit rund 40.000 Millionären eine der reichsten Städte Deutschlands. Ausdruck dieses Wohlstands sind prächtige Villenviertel wie Harvestehude oder Blankenese, die imposanten Kontorhäuser und mondänen Einkaufsstraßen in der Innenstadt sowie die funkelnden Appartments und Prestigebauten der HafenCity. Doch das luxuriöse Hamburg konkurriert beim Besucher mit zahlreichen Kiezen wie dem Schanzenviertel oder St. Pauli, die durch Hafen- und Industriehandwerker und ein lebendiges, multikulturelles Straßenleben geprägt sind. Hier werden die urbanen Trends entwickelt und gelebt, die es später in die Medien schaffen.

Doch anders als in anderen Großstädten ist Hamburg kompakt genug, um den schnellen Sprung zwischen den Welten zu ermöglichen. Oft reicht schon ein langer Spaziergang, um den ganzen Kosmos der Stadt in wenigen Stunden zu erleben.

 

Die Stadtteile im Überblick

Altona / Ottensen: Inbegriff der Vielfalt

Altona ist einer der lebendigsten Bezirke Hamburgs. Menschen unterschiedlicher Herkunft, Familien und Singles sowie Künstler und Freiberufler finden hier eine Heimat. Besonders schön spiegelt diese Vielfalt das alljährlich statt findende Kulturfest altonale wider. Für den Sommer hat Altona noch weitere Trümpfe im Ärmel: Diverse Plätze und Parks laden zum Grillen und Chillen ein, der Elbstrand ist fußläufig zu erreichen. Kulturell wartet Altona mit dem Altonaer Theater, dem Veranstaltungszentrum Fabrik, dem Zeisekino und dem Altonaer Museum auf; dazu kommen viele Off-Locations in den verwinkelten Seitenstraßen Ottensens. Zahlreiche Gastro- und Einkaufsangebote, die zentrale Lage, der Bestand an tollen Altbauwohnungen und die nachbarschaftliche Atmosphäre machen Altona zu einer der beliebtesten Hamburger Wohngegenden.

Barmbek: Hamburg im Brennglas
Museum für Arbeit / Museum für Arbeit

Hauptsächlich Wohngegend mit durchmischter Bevölkerungsstruktur, sind in Barmbek die unterschiedlichsten Aspekte der Stadt sozusagen im Brennglas vorzufinden: Einige Ecken wirken hier etwas laut und hektisch, andere wiederum sind ganz grün und idyllisch. Immerhin befindet sich der Stadtpark direkt vor der Tür. Großstädtisches Leben oder doch lieber dörfliches Ambiente? Das ist in Barmbek manchmal nur eine Frage der Straßenseite. Zwischen Osterbek- und Eilbekkanal befindet sich das "Komponistenviertel", das trotz der großen Straßen, die es umgibt, eine ruhige Atmosphäre versprüht und deswegen zu den beliebtesten Wohnquartieren Barmbeks zählt. Südlich davon liegt das vor wenigen Jahren neu gestaltete Shopping-Center Hamburger Meile. Und mit der Internationalen Kulturfabrik Kampnagel sowie dem Museum der Arbeit sind zwei herausragende Kulturinstitutionen Hamburgs in Barmbek zuhause.

Blankenese: Der malerische "Elbvorort"
(Blankenese / Martin Brinckmann)

Wenn es einen malerischen Hamburger Stadtteil gibt, dann ist es der "Elbvorort" Blankenese. Das ehemalige Fischer- und Lotsendorf im Westen der Stadt zählt zu den wohlhabendsten Gegenden Hamburgs. Prominente Reeder und Kaufleute errichteten hier im 18. und 19. Jahrhundert ihre Villen und Herrenhäuser. Deren großzügig angelegte Anwesen wurden später zu Parks umgewandelt, die sich heute in öffentlicher Hand befinden. Neben den prächtigen Grünanlagen (Baurs Park, Schinckels Park, Goßlers Park u.a.) ist vor allem das „Treppenviertel“ mit seinen verwinkelten Gassen und aneinander gereihten alten Häuschen sehenswert. Der Elbstrand zeigt sich in Blankenese von seiner schönsten Seite. Und beim Übersetzen ans andere Flussufer erreicht man Cranz, Teil des größten geschlossenen Obstanbaugebiets Europas und ein beliebtes Ausflugsziel der Hamburger.

City: Kunst, Kultur, Konsum
(Rathaus an der Alster / Christian Spahrbier)

Die City ist die Perle Hamburgs, geprägt durch Prachtbauten und Flaniermeilen, Binnenalster und die Fleete im Rücken des Rathauses. Zwischen Gänsemarkt und Hauptbahnhof reihen sich Ladengalerien und -passagen wie das Hanse Viertel und die 2006 eröffnete Europa Passage, Kaufhäuser wie das Alsterhaus und diverse Bekleidungsgeschäfte aneinander. Exklusives Shopping ist vor allem in der Seitenstraße Neuer Wall möglich – sei es bei Hugo Boss und Gucci oder bei Montblanc und Porsche Design. Die Kunstmeile mit Hamburgs führenden Ausstellungshäusern befindet sich in unmittelbarer Nähe. Einen reizvollen Kontrast hierzu bildet das Gängeviertel, seit 2009 zentraler Anlaufpunkt für Hamburger Off-Künstler. Um die Ecke liegt der Großneumarkt. Rund um den Platz gibt es einiges zu entdecken: Kunstgalerien, Restaurants und die Jazz-Club-Institution Cotton Club.

Eppendorf: Alsterschwäne vor der Tür
Wohnen am Kanal in Eppendorf

Eppendorf ist eine der beliebtesten Wohngegenden für Familien aus dem oberen Mittelstand, wohlsituierte Singles und andere Besserverdienende. Der Stadtteil befindet sich in unmittelbarer Nähe zu Außenalster und Stadtpark. Eppendorfs Flanier-Boulevard ist die Eppendorfer Landstraße, die an zahlreichen Läden und Geschäften, prächtigen Wohnhäusern, schicken Boutiquen und exquisiten Restaurants vorbei zum Eppendorfer Mühlenteich führt, dem Überwinterungsquartier der berühmten Alsterschwäne. Jeden Dienstag und Donnerstag findet hier der bei Gourmets beliebte Isemarkt unterhalb der Hamburger Hochbahnstrecke statt. Südwestlich davon befindet sich mit dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) eines der größten und besten Krankenhäuser der Stadt. Passend dazu gilt Eppendorf außerdem als Stadtteil mit der größten Psychotherapeuten- und Ärzte-Dichte Hamburgs.

HafenCity: Leben am Wasser
(Marco-Polo-Terrassen / Thomas Hampel)

Seit 2001 entsteht mit der HafenCity ein maritim geprägter Stadtteil mit zeitgemäßer Architektur, der die Fläche der Hamburger Innenstadt bis 2025 um 40 % vergrößern wird. Im Westen ragt die Fassade der Elbphilharmonie über dem Wasser auf. Im Zentrum der HafenCity hat die neue Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung eröffnet. Rund 1500 Wohnungen – vom Luxus-Appartement bis zum familientauglichen Wohnprojekt – sind fertig gestellt. 500 Unternehmen haben ihre Büros bezogen – darunter u.a. der preisgekrönte Unilever-Hauptsitz, die Redaktion des SPIEGEL und Greenpeace. Mit neuen Plätzen und rund 10 Kilometer Promenaden, dem historischen Museumshafen und exquisiter Gastronomie hat sich die HafenCity auch zum beliebten Ausflugsziel für Hamburger und zu einer veritablen Touristenattraktion entwickelt – besonders für Kreuzfahrer, die direkt in der HafenCity am Terminal aussteigen.

Karolinenviertel: Trendviertel für Hipster
(Karolinenviertel / Sven Schwarze)

Umgeben von Messegelände, Schlachthof und dem Fußballstadion des FC St. Pauli, zählt das so genannte Karoviertel zu den speziellen Quartieren der Stadt. Sein zentrales "Flaniermeilchen" ist die Marktstraße. Zahlreiche Cafés, Imbisse und kleine Geschäfte reihen sich dort ebenso aneinander wie die Ateliers und Boutiquen lokaler Modedesigner, deren Angebot von "chic & exklusiv" bis zu "fair & green" reicht. Das Künstlerhaus Vorwerkstift und die Galerie Hinterconti sind alteingesessene Off-Kunst-Institutionen. Und natürlich ist das Karoviertel auch bei Nachtschwärmern beliebt. Unweit vom Konzert-Club Knust etwa befinden sich mit Dschungel, Karo-Eck, Yoko Mono und Kitty mehrere Kneipen und Bars. Die gelassene Atmosphäre ist typisch für das Karoviertel, das eine unaufgeregte Nachtleben-Oase zwischen den angrenzenden "Kiezen" St. Pauli und Schanzenviertel ist.

Portugiesenviertel: Gesamteuropäisches Flair
(Portugiesenviertel / Jörg Modrow)

In den 1970ern entwickelte sich das an St. Pauli grenzende Quartier zum Anlaufpunkt für portugiesische und spanische Einwanderer. Mehrere iberische Restaurants und Cafés wurden hier eröffnet und noch heute sind im Portugiesenviertel viele gastronomische Betriebe zu finden – allerdings hat der portugiesische Anteil daran stark abgenommen. Dagegen ist die Dichte an skandinavischen Seemannskirchen, die sich in der Ditmar-Koel-Straße befinden, seit jeher unverändert. Vor allem die gemütlichen Adventsmärkte, die diese Gemeinden zur Vorweihnachtszeit ausrichten, sind einen Besuch wert. Ein Hauch von gesamteuropäischem Flair macht sich dann im Viertel breit. Gegrillter Fisch und Galão oder doch lieber Rentiergulasch und finnische Sauna? Alles in wenigen Fußminuten erreichbar.

Sternschanze: Der alternative Kiez
(Sternschanze / Sven Schwarze)

Seit 1989 prägt das von Autonomen besetzte Kulturzentrum Rote Flora die „Schanze“ und sorgt dort für Widerstand gegen die Gentrifizierung des Stadtteils. Doch der Wandel vom einstigen Arbeiterquartier zum Hipster-Viertel ist kaum aufzuhalten. Auf dem Schulterblatt und in den Seitenstraßen hat sich zwischen internationaler Gastronomie eine bunte Mischung aus Boutiquen, Cafés und Ausgeh-Locations entwickelt. Im Betahaus treffen sich kreative Freelancer zum Co-Working; Werbe- und Internetagenturen haben sich in den alten Industriegebäuden angesiedelt. Abends und am Wochenende entwickelt sich das Schulterblatt mit seinen Bars und Clubs, Live-Konzerten und Party-Nächten zur Reeperbahn-Alternative. Und im Sommer trifft sich eine alternativ-studentische Klientel im Schanzenpark zu Fußball, Frisbee, Boule und Slack Line – oder legt sich zum Schanzenkino unterm Sternenhimmel direkt auf das Gras.

St. Pauli: Rock'n Roll und Rotlicht
(Reeperbahn / Roberto Kai Hegeler)

Wie häufig kommt es schon vor, dass ein Stadtteil bekannter ist als die Stadt, in der er sich befindet? Die Reeperbahn auf St. Pauli genießt einen weltberühmten Ruf als Amüsiermeile, das Rotlichtviertel und die sich darum rankenden Geschichten sind legendär. In den 1960er Jahren galt St. Pauli wegen seiner Musikclub-Dichte (Star Club, Indra, Top Ten, Kaiserkeller) als Knotenpunkt der Popkultur. Diesen Ball nahm der Stadtteil mit der Etablierung des Reeperbahnfestivals im Jahr 2006 wieder auf. Doch auch wenn die Menge der Kneipen, Gastronomiebetriebe, Tanzclubs und anderer Etablissements größer ist als anderswo: St. Pauli ist auch eine Wohngegend – für alteingesessene Arbeiter, Künstler, Bohèmiens und alle möglichen Menschen, die der alltägliche und -nächtliche Trubel nicht stört. Wer hier lebt, muss schon ein bisschen Rock'n'Roll im Blut haben...

Wilhelmsburg: Die große Elbinsel
(Wilhelmsburg / IBA)

Der Hafen und die Elbe bestimmen seit jeher den Puls von Wilhelmsburg, das mit rund 50.000 Einwohnern zu den bevölkerungsreichsten Stadtteilen Hamburgs zählt. Wilhelmsburg ist Sorgenkind und Hoffnungsträger zugleich. Städtebaulich gibt es hier noch viel Potenzial. Zwar ist der Westen geprägt von Industrie und Nutzgebäuden; doch im ländlichen Südosten lädt das Naturschutzgebiet Heuckenlock zu einem Ausflug ins Grüne ein. Gelingt es der Stadt, den gewünschten „Sprung über die Elbe“ zu vollziehen und neue Bevölkerungsschichten für Wilhelmsburg zu gewinnen? Seit den 2000er Jahren haben die Internationale Bauausstellung (IBA) und die Internationale Gartenschau (igs) spannende Modellprojekte aus Architektur und Stadtentwicklung in den Stadtteil gebracht – und im Sommer lockt das Musik- und Kunstfestival MS Dockville zehntausende junge Menschen an.