Hipsterguide Hamburg

(Ahoi Marie / ebd.)

Hipster mögen es urban. Gerade diese fühlen sich in Hamburg sehr wohl. Schicke Pärchen mit bedruckten Jutebeuteln düsen auf ihren Rennrädern durch die Szene-Viertel an der Elbe. Auf dem Weg in das nächste vegane Restaurant, den nächsten Secondhand-Laden oder überall dorthin, wo es WLAN gibt. Besonders beliebt: das Schanzenviertel und St. Pauli.

Ein Hipsterleben in der Hansestadt ist unkompliziert – findet sich hier doch alles, was man zum Leben braucht. Ein Tag kann möglichst umweltschonend mit ph-neutraler Seife und einer modischen Zahnbürste aus Bambus oder ökologisch abbaubarem Nylon aus dem Hamburger Onlineshop Hydrophil beginnen. Denn nachhaltiger Lifestyle ist wichtig, natürlich frei nach dem Motto: „Rette die Welt und sieh gut dabei aus!“ Der morgendliche Pfefferminztee, beispielsweise selbstgepflückt im Urban-Gardening-Projekt Gartendeck auf St. Pauli, schmeckt am besten aus einer bemalten Tasse des maritimen Hamburger Labels Ahoi Marie. An einem Samstagmorgen bietet sich die Schnäppchenjagd auf Secondhandmärkten an: Die Flohmärkte rund um die alte Rinderschlachthalle im Schanzenviertel handeln mit angesagten Retro-Möbeln und allem, was das Zuhause noch ansehnlicher gestaltet. Kleidung gibt es dort auch, gerade biografisch angehauchte: Collage-Jacken aus den 1980ern, alte Lederrucksäcke und Ray Ban-Brillen.

Individualität ist kein Modewort

In der benachbarten Marktstraße geht der Shopping-Marathon gleich weiter: Dort liegen Secondhand-, Designer- und Hippieläden direkt nebeneinander. Einer der berühmtesten Szenedesigner der Stadt, Bent Angelo Jensen, hat hier sein Atelier: Als „Herr von Eden“ schneidert er Hamburger Musikern wie Jan Delay die Anzüge. Öko-Fair-Fashion lässt sich bei Glore finden. Oder, der Mode überdrüssig, man durchstöbert die Vinyl-Sortimente von Plattenläden wie dem Selekta Reggae Record Shop und Slam Records. Junges, dennoch wertiges Wohndesign bieten der Minimarkt oder Lokaldesign. Dort gibt es, was in Hamburger Manufakturen wie Hafenholz oder Soundpauli entworfen wurde. Der Kunstkiosk auf St. Pauli verkauft in Hamburg kreierte Accessoires und Geschenkideen. Auch beliebt sind die Nachbarschaftsmärkte: Bei Hallo Frau Nachbar in den Schanzenhöfen stellen lokale Labels und Genussmanufakturen ihre Waren aus. Auch Hamburger Foodtrucks fahren hier vor. In dem von Vincent Vegan brutzeln tierfreie Burger auf dem Grill und Pommes aus Süßkartoffeln in der Fritteuse.

Bewusst und regional

Eine derartige Tour hat dann auch hochwertige Kaffekunst verdient. Im Café Public Coffee Roasters in Neustadt wird kein simpler Espresso serviert, sondern die Renaissance des Brühkaffees zelebriert. Stichwort: Entschleunigung. Zum Kaffee werden hier ein frisches Sandwich aus dem benachbarten, regionalen Feinkostladen und hochwertige Indie-Printmagazine zum Blättern gereicht. Die anstehende Nacht sollte auf St. Pauli eingeläutet werden. Mit einem veganen Burrito und einem koffeinhaltiges Mate in der Kombüse. Regional produziertes Craft Beer gönnt man sich im Couch Kapitän. Im Alten Mädchen der Ratsherren-Brauerei wird Bier gar verkostet. Vielleicht lässt sich auch etwas Mut antrinken. Der ist später im Gruenspan vonnöten, wenn auf der Bühne beim Diary Slam peinliche Passagen aus dem eigenen Tagebuch rezitiert werden.

Und so endet ein Tag im Leben eines Hamburger Szenemenschen: Er und sie, Hand in Hand oder auf dem Rennrad dem Sonnenuntergang entgegen. Das Leben an der Elbe ist entzückend. Und angesagt. Eine Reise lohnt sich.